Samen heimischer Pflanzen: Eine wichtige Ressource für ökologische Renaturierung

09.08.2017
Maßnahmen zur ökologischen Renaturierung zielen darauf ab, geschädigte Ökosysteme wiederherzustellen. Dabei sind Naturschutzfachleute auf ausreichendes Saatgut heimischer Pflanzen angewiesen. Der Anbau dieses Saatguts ist zwar ein wachsender Markt, wer jedoch in Europa eine Graslandschaft renaturieren möchte, kann derzeit erst einen geringen Teil der dafür notwenigen Samen erwerben. Zu diesem Schluss kam eine aktuelle Studie in Conservation Letters.

Geleitet wurde die Studie von Emma Ladouceur, Doktorandin am MUSE in Trient und betreut wurde sie von Borja Jiménez-Alfaro, Wissenschaftler am Forschungszentrum iDiv. Gemeinsam mit ihren Kollegen identifizierten die beiden Wissenschaftler über 1.000 Pflanzenarten, die eine wichtige Rolle für die Renaturierung von Grasländern in Europa spielen. Sie fanden heraus, dass für lediglich 32 % dieser Arten zwei Bedingungen erfüllt sind. Erstens, sie sind als Samen auf dem Markt verfügbar, und zweitens, es ist auch bekannt, unter welche Bedingungen diese Samen keimen. Dies ist wichtig, weil ansonsten Unternehmen zwar das Saatgut lagern, es jedoch nicht verwenden oder in großen Mengen für den Markt produzieren können. Der Versuch, funktionierender Ökosysteme wieder herzustellen kann leicht scheitern wenn für Renaturierungsprojekte nur eine begrenzte Anzahl an heimischen Arten zur Verfügung steht.

Die Autoren der Studie schlagen vor, die Forschung und Entwicklung im Bereich der Saatgutproduktion heimischer Pflanzen deutlich auszuweiten und den Open-Source-Wissenstransfer zwischen öffentlichen, privaten und akademischen Sektoren zu stärken. Darüber hinaus gelte es, Strategien zu schaffen, um die Nachfrage und Herstellung vielfältiger Samen in Europa anzuregen. Die Saatgutproduktion habe auch großes ökonomisches Potential, so die Wissenschaftler, da sie ein vielversprechender Industriezweig sei.
 

Die Studie wurde im Rahmen des NASSTEC-Projekts (Native Seed Science, Technology & Conservation Initial Training Network) durchgeführt, das vom MUSE - Museum für Wissenschaft koordiniert wird und Teil des Forschungsrahmenprogramms FP7 der Europäischen Union ist.

NASSTEC Project: www.nasstec.eu.
PUBLISHED ARTICLE: Ladouceur, E., Jiménez-Alfaro, B., Marin, M., De Vitis, M., Iannetta, P.P.M., Bonomi, C. & Pritchard, H.W. Native seed supply and the restoration species pool. Conservation Letters.
Link: https://doi.org/10.1111/conl.12381

 
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